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Erläuterung der Testverfahren bei Cushing-Katzen
Da die Diagnose eines Morbus Cushing äußerst schwierig ist, werden bei Verdacht auf diese Erkrankung möglichst viele Untersuchungsmethoden eingesetzt, so dass die oben beschriebenen klinischen Symptome erst mit Hilfe von Laboruntersuchungen, bildgebenden Verfahren und den Funktionstests in einen diagnostischen Gesamtzusammenhang gebracht werden können. Hier werden nun die einzelnen Testverfahren beschrieben:
Der Urin-Kortisol-Kreatinin-Ratio (Quotient)
Dieser Test kann, um aussagekräftig zu sein, nur unter Mitwirkung des Tierhalters durchgeführt werden; denn der für den Test benötigte Urin sollte zu Hause (im stressfreien Raum) entnommen und dann im Labor untersucht werden, da – wie eine Studie von Zimmer/Reusch ergab, der "mit einem Tierarztbesuch verbundene Stress zu einer deutlichen Erhöhung des UCC führen kann. Daher sollte der Parameter nur aus zu Hause entnommenen Urinproben bestimmt werden" (vgl. Zimmer/Reusch 2003).
Fällt dieser Test positiv aus, kann ein Morbus Cushing vorliegen; allerdings können auch andere Erkrankungen für eine Erhöhung der Werte verantwortlich sein. Andererseits kann ein Cushing ausgeschlossen werden, wenn dieser Wert im Normalbereich liegt. Daher ist die Durchführung dieses Tests bei Verdacht auf Cushing äußerst sinnvoll, da er weniger belastend als die Funktionstests ist und sich bei einem negativen Ergebnis weitere Testverfahren erübrigen.
Der ACTH-Test zur Absicherung der Diagnose Cushing
Das basale Cortisol liegt bei an Cushing erkrankten Katzen häufig im Referenzbereich. Eine Erhöhung kann aber auch andere Ursachen haben oder stressbedingt sein. Der ACTH-Test kann daher ein wichtiges Test-Instrument zur weiteren Absicherung der Diagnose Cushing sein. Durch Injektion eines synthetisch hergestellten adrenocorticotropischen Hormons (ACTH) werden die Nebennieren zur Produktion von Cortisol angeregt. Bei Vorliegen eines Hyperadrenocorticismus liegen die Werte nach der Injektion deutlich über dem Basalwert und nicht mehr im Referenzbereich. Das Vorgehen ist in der Regel das folgende: Vor der Injektion mit synthetischem ACTH (0,125 mg) wird zunächst das körpereigene Cortisol in einer Blutprobe gemessen. Anschließend werden 30 und 60 Minuten nach der ACTH-Injektion Blutproben entnommen. Bei Erhöhung der Cortisol-Werte geht man von Cushing aus.
Es ist allerdings so, dass bei einigen Katzen der ACTH-Test sehr grenzwertig bis nicht aussagekräftig anzeigt. D.h., ein negativ oder grenzwertig ausfallendes Ergebnis schließt Cushing nicht automatisch aus. Bei negativem Ergebnis und weiter bestehendem Verdacht sollte daher der Dexamethason-Test durchgeführt werden, der allerdings wesentlich aufwändiger und belastender für die Katze ist.
Der High-Dose-Dexamethason-Suppressions-Test (HDDS)
Der Dexamethason-Suppressions-Test soll die Hemmbarkeit der Hypophysenfunktion durch Unterdrückung der ACTH-Ausschüttung prüfen und dient zur Unterscheidung von hypophysärem und adrenalem Cushing. Eine geringe oder keine Suppression weist auf ein ACTH-produzierendes Hypophysenadenom hin; eine Cortisol-Konzentration von <40nmol/L nach 4 und 8 Stunden wird laut Neiger et al. bei Katzen als normal angesehen. Bei Katzen (anders als bei Hunden) werden 0,1 mg/kg Dexamethason injiziert und nach jeweils 4 und 8 Stunden Blut entnommen und im Labor ausgewertet. Die hohe Dosierung wird von Neiger et al. deswegen empfohlen, weil sie "erfahrungsgemäß die Hirnanhang-Nebennieren-Drüsen-Achse bei Katzen mit normaler Nebennierenfunktion zuverlässiger unterdrückt" als die geringere Dosierung (vgl. Neiger et al. 2004, S. 160).
Der ACTH-Test als Therapiekontrolle
Nach Beginn der Behandlung mit Vetoryl müssen sowohl die Wirksamkeit des Medikaments als auch die Angemessenheit der Dosierung laufend überprüft werden; denn eine Überdosierung kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen, während eine zu geringe Dosierung die Symptome möglicherweise nicht lindert.
Die Therapie-Überprüfung findet ebenfalls mit Hilfe des ACTH-Tests statt. Zu beachten ist hierbei, dass der Cortisol-Nadir sowohl bei Katzen als auch bei Hunden zwischen 3 und 6 Stunden nach Einnahme des Medikaments erreicht wird, weswegen die Blutabnahme zur Bestimmung des basalen Cortisols sowie die Injektion des ACTH innerhalb dieses Zeitraums stattfinden sollten.
Wie beim ACTH-Diagnose-Test sollte die Kontrollentnahme eine Stunde nach der ACTH-Injektion durchgeführt werden. Von Neiger et al. werden bei der Katze Entnahmen nach 30, 60, 90 und 180 Minuten nach Injektion empfohlen (s. ebenda), was allerdings für die Katze eine große Belastung darstellt. Der Richtwert für die Post-ACTH-Cortisol-Konzentration liegt laut Nelson und Couto (Innere Medizin der Kleintiere 2006) zwischen 2 und 5 ug/dl. Das weicht von den ursprünglich bei Neiger veröffentlichten Werten (<250 nmol/L) ab (vgl. Neiger et al., S. 164).
Warnung zur Vetoryldosierung
Die Vetoryldosierung, die laut Beipackzettel des Herstellers an das Gewicht des Tieres angepasst wird, ist in jedem Fall zu hoch angesetzt. Dort steht:
Körpergewicht Anfangsdosierung:
3kg bis 10 kg .... 30 mg Vetoryl
10kg bis 20kg .... 60 mg Vetoryl
20kg bis 30kg ... 120 mg Vetoryl
>40kg ...120-240 mg Vetoryl
Die jahrelangen Erfahrungen in der Cushing-Hunde-Group zur Vetorylmedikamentierung (bei Hunden) ergeben andere Dosierungen:
Körpergewicht Anfangsdosierung:
>3kg .... 5-10mg Vetoryl
3kg bis 10kg .... 15mg Vetoryl
10kg bis 30kg .... 30mg Vetoryl
30kg bis 40kg .... 40 mgVetoryl
40mg bis 60 kg .... 60mg Vetoryl
>60kg ... 120mg Vetoryl
Natürlich müssen sich die Tierärzte an die empfohlene Dosierung halten und haben häufig auch keine anderweitigen Informationen. Daher ist es empfehlenswert, dieses Thema mit dem Tierarzt zu besprechen. Eine Überdosierung von Vetoryl führt unweigerlich zu einer Unterfunktion der Nebennierenrinde (Addisonkrise) mit fatalen, oft tödlichen Folgen. Für eine Katze mit wenigen Kilogramm Gewicht muss daher die Dosis sensibel angepasst werden.
Anmerkung: Dieser Beitrag - sowie auch andere in diesem Portal - ersetzt keinesfalls den Besuch beim Tierarzt!
Literaturangaben
* Zimmer, C. und C. E. Reusch, Untersuchungen zum Kortisol-Kreatinin-Verhältnis im Urin (UCC) bei gesunden Katzen. Uni Zürich 2003
* Neiger, R. et al. (2004): Trilostane Therapy for Treatment of Pituitary Dependent Hyperadrenocorticism in 5 Cats. In: J Vet Intern Med 2004 18 160-164
* Nelson, R. W. und Couto, C. G.: Innere Medizin der Kleintiere 2006, S. 850
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