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Die Standardstrategie des Wolfes für den Umgang mit Angst auslösenden Reizen war immer die Flucht. Wenn der Wolf merkt, dass ihm die Flucht nichts nützt, kann es sein, dass er sich verteidigt. Dies wird er immer aus einer Situation heraus tun, die sich für ihn als Notsituation darstellt. Im Vergleich mit dem Hund verteidigen sich manche ängstliche Hunde auch dann, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen. Wölfe und Hunde sind normalerweise nur dann aggressiv, wenn ihnen kein anderer Ausweg bleibt, wobei der Hund dieses Verhalten möglicherweise erst sehr viel später einsetzen wird, als sein grauer Vorfahre.
Sozialisation und Prägung
In der Aufzucht unserer Hunde spielt die Sozialisation eine immense Rolle. Je weniger ein Welpe in seinen ersten Lebenswochen auf die große weite Welt vorbereitet wird, wenn er zum Beispiel in einem Stall oder einem Zwinger aufwächst und diesen nicht verlassen kann, desto mehr ähnelt sein späteres Verhalten einem Wolf. Solche Hunde zu unkomplizierten Familienmitgliedern zu erziehen, erfordert viel Erfahrung, Einsicht und Geduld. Der Hund muss zu einem späteren Zeitpunkt lernen, seine Strategien zu verändern und Vertrauen zum Menschen aufbauen. Viele Verhaltensprobleme entstehen schon in dieser frühen Zeit der Prägung und Sozialisation. Damit sind sie nicht direkt auf den Wolf zurückzuführen, finden sich aber in wölfischem Verhalten wieder, in das die Hunde „zurückfallen“, wenn sie auf sich gestellt aufwachsen.
Hunde werden im Vergleich zum Wolf niemals erwachsen. Dr. Peter Neville, ein britischer Hundeexperte sagt, dass Hunde mental auf der Entwicklungsstufe eines halbwüchsigen Wolfes stehen bleiben. Auch wenn Hunde mit der Geschlechtsreife körperlich erwachsen werden, fällt es ihnen mit ihrem kindlich verspielten Verbleib in der Wachstumsphase viel leichter als ihren wilden Verwandten, mit Menschen zusammenzuleben und sich deren Lebensweise anzupassen. Man kann zwar einen Wolf aufziehen und an die Nähe von Menschen gewöhnen, in dem Moment aber, in dem er geschlechtsreif wird, kann es aufgrund einer niedrigeren Aggressionsschwelle zu gefährlichen Problemen mit dem Wildtier kommen.

Auch wenn der Wolf ein naher Verwandter ist, haben wir mit unseren Hunden eindeutig einen domestizierten Nachfahren im Haus, mit dem es sich leichter lebt als mit dem flüchtigen Wildtier. Angesichts der wölfischen Überlebensstrategien Flucht und Aggression wird aber wieder besonders deutlich, wie wichtig die Prägung und Sozialisation unserer Haushundwelpen ist. Auch bei der Analyse von Problemen mit unseren Haushunden kann der Rückblick auf das Verhalten der wölfischen Verwandtschaft hilfreich sein. Dies sollte aber auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen beruhen und nicht oberflächlich bewertet werden.
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Dieser Text ist entnommen aus "HundeSchnauze" Nr. 1, 2009, mit freundlicher Genehmigung der Uelzener Versicherungen.
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